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Pranger bleibt Pranger – in welchem Forum auch immer

GRAZIADiese Frage stellt das wöchentliche Magazin GRAZIA in seiner aktuellen Ausgabe. In diesem Pro & Kontra sage ich NEIN und begründe dies wie folgt. Den Gegenpart vertritt Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft.

Ein Pranger ist ein Pranger ist ein Pranger. Als Schulkinder haben wir gelernt, dass das An-den-Pranger-Stellen eines Menschen in inhumane Zeiten gehört: die frühen Gesellschaften, das Mittelalter. Und jetzt im Jahr 2010 diskutieren wir auf einmal darüber, ob der Pranger nicht doch ein angemessenes Mittel sei, die Bevölkerung vor aus der Haft entlassenen Sexualstraftätern zu schützen.

Und weil wir eine so moderne Gesellschaft sind, stellen wir den Pranger nicht vor den Rathäusern auf oder auf den Marktplätzen, Bahnhöfen oder Flughäfen sondern im Internet. Ist das nicht grotesk: mit den modernsten technologischen Mitteln zurückzugreifen auf uralte überholte Strafmethoden? Und ist es damit nicht auch besonders gefährlich? Gefährlich für die zivile Kultur, geprägt von Recht und Gesetz, die wir uns seit dem Mittelalter geschaffen haben! Pranger bleibt Pranger auf welchem Forum auch immer – im öffentlichen wie im virtuellen Raum. Es ist ein Spiel mit der Angst, das da betrieben wird. Es führt zu nichts als zu einer hysterisierten Gesellschaft – ein Spiel mit dem Feuer.

Was wir stattdessen brauchen ist ein therapeutisches Konzept für die Haftzeit, regelmäßige Überprüfungen und eine sichere Unterbringung der Straftäter nach der Haft. Das ist schwer zu leisten, aber es gibt keine Alternative im 21. Jahrhundert in einem auf die Würde des Menschen setzenden europäischen Staat.