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Vierzig Jahre, vierzig Werke

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Gastkolumne Luc Jochimsen, Publizistin und Bundestagsabgeordnete der Linkspartei

VIERZIG JAHRE, VIERZIG WERKE

So, jetzt haben wir uns genug geärgert und zur Genüge empört über die westdeutsche Siegershow 60 Jahre, 60 Werke mitten aus dem kalten Krieg im 20. Jahr unserer Einheit.

Günter Grass hat „Skandal“ gerufen. Wolfgang Thierse hat geschimpft: „Der Kurator aus dem Rheinland hat immer noch nichts gelernt!“ Und die Akademie der Künste hat erklärt: „Der Verlust historischen Denkens über Kunst in diesem Land hat beunruhigende Ausmaße angenommen.“ Und Christoph Hein hat in einem bewegenden offenen Brief (Freitag 19/09) an die Bundesregierung geschrieben.

Wobei der vielzitierte Kurator Walter Smerling nicht im Alleingang spricht und handelt – sondern im Namen der großkoalitionären Kulturpolitik. So habe ich sie in der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ kennengelernt. Über viele Bereiche gegenwärtiger Kulturpolitik herrschte Einvernehmen. Wehe aber, es ging um die 40 Jahre Kultur in Deutschland West und Deutschland Ost! Die Tatsache, dass es zwei Kulturen gab – nicht nur parallel nebeneinander, sondern ganz bewusst auch gegeneinander in Position gebracht, durfte nicht thematisiert werden. Allein der Satz, dass „es eine außerordentlich dichte und reiche Kulturlandschaft in den ostdeutschen Ländern gab, als Erbe der deutschen Geschichte vor der Gründung der DDR, aber auch auf einer eigenen Tradition der Kulturorganisationen – und – Beteiligung in der DDR beruhend“ war ein Sakrileg. Der Satz wurde auch im Bericht der Kommission nicht aufgenommen, sondern nur als Sondervotum der LINKEN im Fußnotenkapitel. Keine Kultur in der DDR – das ist die regierungsoffiziöse Lesart und nicht die Idee eines privaten Ausstellungsmachers und seiner Sponsoren.

Das wissen wir jetzt und jede Hoffnung auf Korrektur durch die Schirmherrin und Bundeskanzlerin Angela Merkel oder das mitfinanzierende Innenministerium war vergeblich. Der Spuk bleibt so wie er ist. Bis zum 14. Juni sichtbar in Berlin.
Und dann? Wie wäre es mit einer neuen Ausstellung?
Titel 40 Jahre, 40 Werke. Eröffnen wir den „ästhetischen Zoo“, von dem im Katalog der jetzigen Ausstellung die Rede ist.

40 Jahre, 40 Werke. Welch eine schöne Gelegenheit für eine große Retrospektive!
Museumsdirektoren und Galeristen aus Leipzig, Chemnitz, Berlin, Apolda, Dresden, Halle u.a. könnten sich beteiligen. Kunstwissenschaftler aus dem ganzen Land.
Vielleicht wäre die „Spinnerei in Leipzig“ ein geeigneter Ausstellungsort oder die Akademie der Künste in Berlin. Die Super Illu könnte 40 Tage jeweils ein Werk für ihre treue Millionenleserschaft vorstellen.

Möglicherweise gibt ja sogar das Innenministerium einen Zuschuss, um der Gerechtigkeit willen. Und vielleicht findet sich ein Sponsor, der auf die innere Einheit der Gesellschaft setzt.

Christoph Hein hat eigentlich schon in seinem offenen Brief an die Bundesregierung die Einladung ausgesprochen. „Wenn Sie Bilder zu sehen wünschen, die „eine Hommage an die Freiheit der Kunst sind“, die wirklich staatsfern sind, deren Maler für ihre Überzeugung, dass die Kunst frei zu sein habe, tatsächlich lebten, litten und kämpften, dann könnte ich Ihnen ein paar Bilder und Skulpturen zeigen, die wirklich für diese Freiheit stehen, weil diese Künstler sich diese Freiheit täglich neu erobern mussten…ostdeutsche Künstler.“

Auch Hanno Rautenberg muss die Idee bewegt haben, als er am
30. April in der Zeit gefordert hat: „Fast nirgendwo werden die Bilder aus DDR-Tagen noch gezeigt. Selbst in Berlin stehen diese Kunstwerke zumeist im Depot. Zeigt sie uns endlich! Wir wollen sie sehen! Nur so können wir entscheiden, was in den Kanon gehört, ein Kanon aus West und Ost.“
Genau das sollte jetzt geplant werden. 40 Jahre, 40 Werke – gibt es Künstler, Museumsleute, Galeristen, Wissenschaftler, Kunstliebhaber, Sammler die solch ein Unternehmen zustande brächten? Bitte melden!

Faksimile meines Artikels