Rastlos gegen Krieg – ein Leben lang
13. Dezember 2009 in Café Gedanken frei
Im letzten „Café Gedanken frei“ im Jahr 2009 hatte ich Martin und Gerlinde Rambow zu Gast und sprach mit ihnen über ihr vielseitiges Engagement gegen Krieg und Militär.
Beide sind aktiv im Netzwerk Friedenssteuer und haben mit weiteren acht Beschwerdeführern gegen die Rüstungsausgaben des Bundeshaushalts 2009 eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. „Ich erfahre es als eine erhebliche Gewissensnot, zur Zahlung von Steuern für Militär und Rüstung gezwungen zu sein. Damit werde ich an der Ausübung des Grundrechts der Gewissensfreiheit, wie es im Grundgesetz Artikel 4 zugesichert ist, gehindert.“, so Martin Rambow. „Wir müssen auf unsere Kinder und die zukünftigen Generationen achten. Wir haben eine Informations- und Erziehungspflicht.“, begründete seine Frau Gerlinde ihre Arbeit im Netzwerk Friedenssteuer. Sie möchte, wie auch die anderen Beschwerdeführer, nicht länger gezwungen sein, Kriegsdienst zu leisten – wenn auch nicht mit der Waffe, sondern durch die Steuergelder. Seit Februar 2009 liegt die Beschwerde nun beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und ihre Initiatoren warten auf Antwort – noch ist nicht klar, ob sie überhaupt verhandelt wird.
Außerdem berichtete Martin Rambow von seinen Erlebnissen als ökumenischer Begleiter – im Rahmen eines Menschenrechts-Beobachtungs-Programms – an einem Checkpoint in Bethlehem, wo er im Frühjahr drei Monate lang den Grenzverkehr überprüfte und Palästinenser bei der mühsamen Passage nach Jerusalem begleitete. „Wir dürfen nicht in einen der beiden Schützengräben springen – auch wenn es eine Versuchung ist. Sondern wir müssen beide Seiten, sowohl die israelische als auch die palästinensische Bevölkerung, immer wieder mahnen, zum Völkerrecht zurückzukehren.“, appellierte Martin Rambow abschließend.
Martin Rambow geboren 1946, war bis zu seinem Ruhestand Pfarrer in der Erfurter Thomasgemeinde. Zeit seines Lebens engagiert er sich aktiv gegen Krieg. Martin Rambow ist Totalverweigerer und war Mitbegründer der Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ in der DRR. Später schloss er sich dem Netzwerk Friedenssteuer an. Auch im Ruhestand ist der Pfarrer ruhelos geblieben: 2009 arbeitete er als ehrenamtlicher Helfer im Rahmen des ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel (EAPPI) an einem Checkpoint zwischen Bethlehem und Jerusalem.
Gerlinde Rambow geboren 1950 in Sachsen, konnte der schulischen Wehrerziehung in der DDR während des Kalten Krieges nichts abgewinnen. 1993 trat sie der ökumenischen Aktion „Steuern zu Pflugscharen im Netzwerk Friedenssteuer“ bei, dort ist sie im Sprecherrat. Mehrmals hat sie gemeinsam mit ihrem Mann gegen die Verwendung von Steuergeldern zu militärischen Zwecken geklagt.