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Der Schriftsteller Volker Braun im Weimarer „Café Gedanken frei“

Für das erste „Café Gedanken frei“ nach der Sommerpause ist es uns gelungen, Volker Braun nach Weimar zu locken. Das Interesse war riesengroß. Vor unseren Gästen, darunter Bodo Ramelow, Gabi Zimmer, der Schriftsteller Landolf Scherzer, der Rezitator Lutz Görner oder der Künstler Walter Sachs, habe ich in meiner Eröffnung erklärt, wie wir zum Titel dieser Veranstaltung „Es genügt nicht die einfache Wahrheit“ kamen.

Wir leben in Zeiten der Lüge – egal ob es um die Atomenergie, Stuttgart 21, Thilo Sarrazins Thesen über die Dummheit der Menschen aufgrund ihrer Gene oder Erika Steinbachs Äußerung zur Rolle Polens beim Ausbruch des zweiten Weltkrieges geht. Und immer noch müssen wir fragen, warum wir uns in Afghanistan an diesem Krieg beteiligen. In diesen Zeiten suchen wir nach der Wahrheit. Und Volker Braun, Chronist unserer Zeit, hat schon im Jahr 1976 notiert: Es genügt nicht die einfache Wahrheit. Damals erschienen unter diesem Titel einige seiner Notate. Übrigens bemerkte der Schriftsteller nebenbei, dass er diese Linie in der Dichtung, die er als spontane Selbstgespräche beschrieb, gerne verwende. Es sei ja keine Lyrik, sondern im sachlichen Ton verfasste Beobachtungen. Es ist also eine Aufforderung an uns alle, uns nicht mit der einfachen Wahrheit zufrieden zu geben. Dabei stimmt es mich hoffnungsvoll, wenn ich sehe, wie Menschen gegen solche Lügen aufbegehren.

Zu Beginn trug Volker Braun ein paar dieser älteren Notate vor, um sich dann aber seinem aktuellen Buch „Werktage – Arbeitsbuch von 1977 bis 1989″ zu widmen. Erstmals in Thüringen las er aus diesem Werkbuch, einer Reflexion der Zeit des Niedergangs der DDR und gleichzeitig ein poetischer Abgesang auf diesen Staat. Seine Mitschriften des täglichen Lebens konnte er uns natürlich nur in einigen Auszügen widergeben, dafür wurden sie hier und da vom Autor kommentiert. Das Gelesene machte erfahrbar, wie Braun sich und seine Arbeit, die Kollegen und die politische Situation – in Ost und West – sah und heute sieht.

Am Ende konnten sich unsere Gäste natürlich noch Bücher vom Autor signieren lassen

In der anschließenden Diskussion wollte ich von Volker Braun wissen, ausgehend von seiner früheren Aussage, dass man „in der DDR am besten Schreiben und am schlechtesten Publizieren konnte“, wie es ihm heute ergeht, welche Veränderungen er im Literaturbetrieb feststellt. „Man sitzt immer vor einem leeren Blatt und das Schreiben ist – damals wie heute – eine Auseinandersetzung mit der eigenen Beschränktheit, mit dem eigenen Mangel.“ Was sich aber nach der Wende deutlich verändert hätte, sei das Interesse des Publikums. Früher wäre die Leserschaft dankbarer gewesen, heute würden die Leute stärker überlegen, ob sie eine Sammlung mit Gedichten kaufen oder das Geld lieber für etwas „Sinnvolleres“ nutzen. Aber davon lässt sich Volker Braun nicht schrecken. Er will mit seinen Texten weiterhin weh tun, Widersprüche in unserer Gesellschaft deutlich machen – und jeder einzelne Tag würde genug Seltsames und ausreichend Stoff hierfür liefern. Wohl wahr. „Literatur darf keine Kompromisse machen, sonst ist es keine Kunst“. Damit hatte Volker Braun ein wunderbares Schlusswort gesprochen.

Informationen zum Leben und Werk Volker Brauns