Kulturdiskussion mit dem Schauspieler Franz Sodann
22. März 2010 in Café Gedanken frei
Was der Mensch braucht – was ist Kultur wert?
Darum ging es bei unserer März-Matinee in der Weimarer Eckermann-Buchhandlung, zu der ich Franz Sodann, Sohn des berühmten Schauspielers Peter Sodann, begrüßen konnte. „Wenn es wahr ist, dass die Kultur das Bild einer Epoche prägt, wie wird man später über unsere Zeit denken?“ fragt sich Sodann. „Hat die ‚Low Culture‘ mit ihren Comedians gewonnen?“ Zur Einstimmung las er verschiedene Texte zum Thema, die uns deutlich machen sollten, welche Kraft, Wirkung und Bereicherung in der Kultur stecken – so zum Beispiel „Was der Mensch braucht“ von Arnold Zweig und „Die Monotonisierung der Welt“ von Stefan Zweig. Denn auch heutzutage könne man von einer Art Monotonisierung der Gesellschaft sprechen, meinte Sodann. „Es gibt einen Massengeschmack, wodurch viel Kultur auf der Strecke bleibt.“
Daraus entwickelte sich eine angeregte Diskussion über ganz grundsätzliche Fragen zur Kultur – ob sie beispielsweise elitär ist und ob jeder die Möglichkeit hat – unabhängig von Wissen, Bildung oder Intellekt – Kunst und Kultur zu erleben. Der Weimarer Rezitator und Galerist Lutz Görner mischte sich ebenfalls in die Diskussion ein, um eine „Lanze für die deutsche Kultur zu brechen. Brot und Spiele, also das Interesse an einfacher Kultur gab es schon immer. Aber in kaum einem anderen Land gibt es so viele öffentlich-rechtliche Fernsehsender und geförderte Kultur- und Bildungseinrichtungen wie in Deutschland.“ Damit hat er völlig recht. Aber wir müssen dieses Angebot auch kämpferisch erhalten und nicht kaputtsparen, weil man ja viel davon hat. Wir müssen in unserer Gesellschaft ein Bewusstsein für diesen Schatz entwickeln!
Zu Franz Sodann: Nach dem Schauspielstudium an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ war er Ensemble-Mitglied im Theater in Bremen und Gera-Altenburg und spielte u.a. den „Faust“, „Kohlhaas“ oder „Arturo Ui“. Er wirkte in Leipzig, Schwerin und Halle, dort auch in einer „Speer“-Inszenierung seines Vaters.
2008 machte sich Sodann mit einem Gastspielmanagement selbstständig, um Theaterabende und Lesungen auch in die Orte zu bringen, die sich Kultureinrichtungen nur noch schlecht oder überhaupt nicht mehr leisten können. „Das ist mein Angebot angesichts leerer Kassen in den Kommunen“, sagt Sodann zu seinem Engagement.