Café Gedanken frei: Von Thüringen auf das Dach der Welt
12. Dezember 2011 in Arbeit in Thüringen, Café Gedanken frei
Das letzte Café Gedanken frei in diesem Jahr war ein ganz besonderes. Das war auch den knapp 40 Gästen, darunter viele neue BesucherInnen, bewusst, die am Sonntagmorgen den Weg in das Jugend- und Kulturzentrum „Mon Ami“ in Weimar gefunden hatten.
Zu Gast bei Gabi Zimmer und Dirk Möller war Ulrike Drasdo, die Bildweberin und Textilgestalterin aus Hohenfelden.
Nach einem kurzen Film, der ihre künstlerische Arbeit und die Gestaltung der Wandbehänge am Webstuhl dokumentierte, gab sie einige Auskünfte über sich und ihren Lebensweg. Wie kommt man dazu, Textilgestalterin zu werden, lautete eine Frage. Eine Krankheit war der Auslöser, Rückenprobleme ließen eine Weiterarbeit im erlernten Beruf der Physiotherapeutin nicht mehr zu. In der Ausbildung zur Textilgestalterin fand sie anschließend ihre Lebensaufgabe.
Und was bewegt eine Textilkünstlerin, sich auf das Dach der Welt zu begeben? Eine Expedition zur Erforschung der Höhenkrankheit führte sie 2002 erstmals in das Himalaya-Gebiet und sie begann sich nicht nur für die Natur sondern insbesondere für die Menschen zu interessieren. „Bereist 1 km neben den Touristenpfaden herrscht tiefstes Mittelalter“ so Drasdo zu Beginn ihres Diavortrags.
Insbesondere die Straßenkinder, darunter viele Mädchen, machten sie betroffen. „Viele Mütter, die von ihren Männern verlassen werden, müssen ihre Kinder auf die Straße schicken, da sie sie nicht mehr ernähren können. Und da Frauen und Mädchen in der nepalesischen Gesellschaft noch immer weniger zählen als Männer, sind besonders viele Mädchen von diesem Schicksal betroffen.“
Sie kam ins PIN-Haus in Katmandu, wo solche Mädchen Zuflucht finden. „People in Nead“ – dieses Projekt bemüht sich, neben den Lebensgrundlagen Nahrung, Kleidung und Wohnen Schul- und Ausbildung zu organisieren. Drasdo wollte helfen – aber nicht nur mit Geld. So entstand die Idee, die Mädchen und jungen Frauen kleine Teppiche weben zu lassen.
Natürlich waren bis zur Umsetzung viele Schwierigkeiten zu überwinden. „Als ich die notwendigen Webrahmen bei einem Schreiner in Auftrag gab, tat ich das natürlich mit Angaben in Metern. Der baute aber die Rahmen in Inch – die Rahmen waren nun viel größer und es wurde viel mehr Wolle benötigt als geplant“ beschreibt sie eine solche Episode. Nicht nur die Mädchen aus dem Haus beteiligten sich an den Webarbeiten. „Mit der Zeit kamen immer mehr, auch junge Frauen aus der Nachbarschaft, um sich zu beteiligen“ beschreibt sie die Anfänge des Projektes. Auch die Arbeit selbst beschreibt Drasdo als sehr beeindruckend: „Einige junge Frauen brachten ihre Babys mit. In Deutschland kann ich mir nicht vorstellen, mit 20 Frauen und vier oder Babys in einem Raum zu arbeiten. Aber im PIN-Haus herrschte eine große Ruhe und Gelassenheit im Umgang miteinander“.
„Es war gar nicht so einfach, die Wolle für so viele Hände zu beschaffen“. Aber auch hier hatte sie Glück. „Direkt vor meiner Herberge am Stadtrand von Katmandu fand ich einen Großhändler. Der wollte die Wolle eigentlich nur in großen Ballen verkaufen. Als ich ihm von meinem Projekt erzählte, war er bereit, auch kleinere Mengen abzugeben. Und so lief ich Tag für Tag bepackt mit Wolle von meiner Herberge zum PIN-Haus in der Innenstadt“.
Ein weiteres großes Problem ist die Gesundheitsvorsorge. Deshalb unterstützt Frau Drasdo auch die Armenapotheke im BIR-Hospital in Katmandu. „Dieses Projekt wurde von der Krankenschwester Christine Hoffmann initiiert. Diese begann Anfang der 80’er Jahre, von den Trekkingtouristen nicht mehr benötigte Medikamente einzusammeln und den Armen zur Verfügung zu stellen“. Mittlerweile arbeiten hier drei Mitarbeiter, die mehr als 20.000 PatientInnen pro Jahr versorgen.
Am Schluss rief Gabi Zimmer dazu auf, Armut nicht immer nur als politisches Problem zu sehen. „Wir müssen auch die vielen kleinen Projekte, wie das von Frau Drasdo unterstützen, um Hunger und Armut zu bekämpfen. Wir werden damit diese Probleme nicht aus der Welt schaffen, aber wir zeigen den Menschen vor Ort, dass sie von uns nicht allein gelassen werden.“
Und so kamen an diesem Vormittag 240 Euro für die Armenapotheke zusammen. Ein herzliches Dankeschön an Frau Drasdo für ihren engagierten Vortrag und an die Spenderinnen und Spender.