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Aus der Geschichte in die Zukunft – Gotha am 10. September 2009

Gadolla-Ehrung_kleinWer kennt Josef Ritter von Gadolla? Das war ein Wehrmachtsoffizier, der im Februar 1945 vom nationalsozialistischen Kriegsregime zum Kampfkommandanten von Gotha ernannt wurde – unter dem Befehl „Die Stadt niemals dem Feind kampflos zu übergeben.“ Im April 1945 entschließt er sich diesem Befehl zuwiderzuhandeln, ruft die Bürger auf, die ganze Stadt weiß zu beflaggen und verhandelt mit den einmarschierenden amerikanischen Truppen. Auf dem Weg zur Übergabe wird er von den eigenen Leuten gefangen genommen, vor ein Kriegsgericht gestellt und in Weimar hingerichtet, während die Amerikaner in das unzerstörte, weißbeflaggte Gotha einziehen.
Gadolla – der Kriegsverräter wird 40 Jahre lang nicht rehabilitiert. Heute nun 70 Jahre nach Kriegsbeginn und 64 Jahre nach der Befreiung Gothas, wurde vor dem Rathaus ein Denkmal für Gadolla eingeweiht und Schüler der Regelschule Oststadt Gotha lesen Texte aus einer Dokumentation, mit der sie sich unter dem Motto „Wann ist der Held ein Held?“ zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingereicht haben.
Das Denkmal der Gothaer Kulturstiftung wurde durch viele Spenden ermöglicht, die von Bürgern Gothas aber auch aus dem ganzen Land gesammelt wurden. Auch ich habe mich mit 100 Euro beteiligt.
„Aus der Geschichte in die Zukunft“ – das war auch das Thema des „Gothaer Friedensgesprächs“ am Vormittag, an dem der Stadtpräsident von Kielce, der polnischen Partnerstadt Gothas teilnahm, der Botschafter Polens und eine Delegation aus Graz, dem Geburtsort Gadollas – und Otto Schenk las das Kriegslied von Matthias Claudius

„‘S ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!“

Aus der Geschichte in die Gegenwart für die Zukunft – ein Beispiel für Erinnerungskultur, die diesen Namen verdient.