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Café Gedanken frei


So heißt die Matinee, die ich seit 2007 jeden dritten Sonntag eines Monats im Weimarer Bürgerbüro veranstalte: Nachdenken, voraus denken, alte und neue Gedanken, Querdenker, Kontroversen…

Café Gedanken frei: Ein Abgrund an Aufklärung!

copyright Reiner von Zglinicki
copyright Reiner von Zglinicki

Gestern fand das erste Café Gedanken frei in diesem Jahr statt. Diese Veranstaltung war mir aus aktuellem Anlass besonders wichtig  – Ein Abgrund an Aufklärung! – mit Frank Tempel und Martina Renner. Der Bundestagsabgeordnete Frank Tempel konnte aus seiner langjährigen Erfahrung als Polizist über Ermittlungstechniken und -verfahren berichten und so gezielt die Täuschungen und „Halbwahrheiten“ der staatlich befassten Ämter und Behörden bei den ersten Verlautbarungen entlarven. Seine große Sorge ist, dass im Zuge der Aufklärung dieses unfassbaren Verbrechens nicht mehr das Versagen der staatlichen Einrichtungen im Fordergrund stehen wird, sondern vielmehr ein einfacher Kriminalfall untersucht wird, der das tatsächliche Ausmaß der Verstrickungen in den Hintergrund treten lässt.

Martina Renner, MdL und Expertin für Rechtsextremismus, wusste viel über die Netzwerke und Verbindungen von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos zu berichten. Sie sitzt im eingerichteten Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag. Nach ihrer Überzeugung werden „diese Mordfälle nur restlos aufgeklärt, wenn der öffentliche Druck so bleibt wie er ist. Oder noch steigt.“

Auch das Publikum in der Stadtbücherei Weimar stellte viele Fragen und sorgte so für eine rege Diskussion.


Café Gedanken frei im Januar

Im Rahmen unserer Reihe Café Gedanken frei werden zur ersten Veranstaltung im neuen Jahr Frank Tempel und Martina Renner mit mir über die eklatanten Abgründe bei der Aufklärung des Naziterrors diskutieren. Wir fragen uns: Was haben
zweieinhalb Monate Prüfung durch die zuständigen Behörden an Aufklärung gebracht? Welche Aufgaben kommen auf die nun endlich untersuchenden Parlamente zu?
Zwei Tage nach dem Holocaust-Gedenktag fragen wir auch: Welche Anstrengungen müssen wir alle unternehmen, um dieses Land von der Schande der rechter Gesinnung und Verbrechen zu befreien? ACHTUNG, ACHTUNG: Die Veranstaltung findet in der Stadtbücherei Weimar, Steubenstr. 1 statt! Der Eintritt ist wie immer frei!


Die gute Nachricht: Die Spenden sind angekommen!

Eine sehr gute Nachricht erreichte heute, einen Tag vor Weihnachten, mein Bürgerbüro in Erfurt: Die 242 Euro Spenden für das BIR-Hospital in Katmandu wurden überwiesen und stehen nun den HelferInnen in Nepal zur Verfügung. Diese Summe war während eines Vortrages zustande gekommen, den die Textilgestalterin im Rahmen meiner Café Gedanken frei Matinee im Dezember in Weimar gehalten hatte. Für das Geld werden jetzt Medikamente gekauft, die an Arme und Bedürftige kostenlos abgegeben werden. Ein herzliches Dankeschön an Frau Drasdo und an die SpenderInnen.


Café Gedanken frei: Von Thüringen auf das Dach der Welt

Das letzte Café Gedanken frei in diesem Jahr war ein ganz besonderes. Das war auch den knapp 40 Gästen, darunter viele neue BesucherInnen, bewusst, die am Sonntagmorgen den Weg in das Jugend- und Kulturzentrum „Mon Ami“ in Weimar gefunden hatten.

Zu Gast bei Gabi Zimmer und Dirk Möller war Ulrike Drasdo, die Bildweberin und Textilgestalterin aus Hohenfelden.

Nach einem kurzen Film, der ihre künstlerische Arbeit und die Gestaltung der Wandbehänge am Webstuhl dokumentierte, gab sie einige Auskünfte über sich und ihren Lebensweg. Wie kommt man dazu, Textilgestalterin zu werden, lautete eine Frage. Eine Krankheit war der Auslöser, Rückenprobleme ließen eine Weiterarbeit im erlernten Beruf der Physiotherapeutin nicht mehr zu. In der Ausbildung zur Textilgestalterin fand sie anschließend ihre Lebensaufgabe.

Und was bewegt eine Textilkünstlerin, sich auf das Dach der Welt zu begeben? Eine Expedition zur Erforschung der Höhenkrankheit führte sie 2002 erstmals in das Himalaya-Gebiet und sie begann sich nicht nur für die Natur sondern insbesondere für die Menschen zu interessieren. „Bereist 1 km neben den Touristenpfaden herrscht tiefstes Mittelalter“ so Drasdo zu Beginn ihres Diavortrags.

Insbesondere die Straßenkinder, darunter viele Mädchen, machten sie betroffen. „Viele Mütter, die von ihren Männern verlassen werden, müssen ihre Kinder auf die Straße schicken, da sie sie nicht mehr ernähren können. Und da Frauen und Mädchen in der nepalesischen Gesellschaft noch immer weniger zählen als Männer, sind besonders viele Mädchen von diesem Schicksal betroffen.“ weiterlesen …


„Café Gedanken frei“

Ein besonderer Tag: Totensonntag mitten in einer Zeit der schrecklichen Erkenntnisse, dass Nazis jahrelang von Thüringen aus und immer wieder in Thüringen eine mörderische Spur durch unser Land zogen – unerkannt.
Wir begannen unsere Veranstaltung mit einem Gedenken an die Ermordeten und waren uns einig, an diesem Tag nicht nur das geplante Thema abhandeln zu können: „Thüringen – und sein rot-roter Sonderweg“, sondern auch zu reden hätten über „Thüringen – der braune Sonderweg.“

Im übrigen hatte das eine Thema viel mit dem anderen zu tun. Der Neuanfang von Kommunisten und Sozialisten nach dem Krieg war wesentlich von den Erfahrungen der Akteure in der Nazizeit und im Zweiten Weltkrieg geprägt. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Buchenwaldhäftling und Sozialdemokrat Hermann Brill. Steffen Kachel, ehemaliger Thüringer PDS-Landtagsabgeordneter und zur Zeit Vorsitzender der LINKEN in Erfurt, hat in seinem Buch „Ein rot-roter Sonderweg“ diesen Neuanfang nachgezeichnet. Kachel las in Auszügen aus seinem Buch und es ging zunächst um die Rolle Brills, der von den Amerikanern Mitte 1945 zum Regierungspräsidenten  in Thüringen ernannt worden war. Brill, Mitbegründer des Bundes demokratischer Sozialisten, vertrat die Auffassung, dass nur eine Einheitspartei der Werktätigen die Konsequenz aus dem Versagen von SPD und KPD im Angesicht des Faschismus sein könne. Schon im April 45 führte er dazu Gespräche mit Thüringer KP-Vertretern. In der sich neu formierenden KPD jedoch war der Wille, eine gemeinsame Partei zu formen, nicht sehr stark vorhanden. Hier wurde der Weg zu einer Einheitspartei unter Führung der Kommunisten präferiert. Mit dem Besatzerwechsel im Juli 45 wurden diese Bemühungen weiter forciert, Brill wurde als Regierungschef abgesetzt. Nachdem gegen Ende des Jahres klar wurde, das Brills Vorstellungen von einer gemeinsamen Partei keine Chance bei den Sowjets hatte, verließ dieser Thüringen in Richtung Hessen. Kachel betonte, dass der gemeinsame Weg von Sozialisten und Kommunisten immer auch von der Einschätzung der Besatzungsmächte abhängig war. Mit dem Betreiben einer deutschen Zweistaatlichkeit war auch eine neue, unabhängige Partei der Werktätigen endgültig unmöglich geworden. weiterlesen …


Café Gedanken frei im November mit Steffen Kachel

In Thüringen war die Arbeiterbewegung vor 1933 ähnlich tief verankert wie in Sachsen. Stärker als anderswo in Deutschland waren die Anhänger der SPD und der KPD durch das Bewusstsein eines gemeinsamen politischen Lagers geprägt. Gegenüber der Reichsebene wich die sozialdemokratische Politik hier nach „links“, die kommunistische nach „recht“ ab – sehr zum Ärger der jeweiligen Parteiführung. Der Autor  stellt die Wirkungen dieser regionalen Prägungen dar, die sich am Ende der Kaiserzeit herausbildeten und nach Weimarer Republik und NS-Zeit auch in den Nachkriegsjahren noch präsent waren. Erst durch die Stalinisierung der SED 1948 wurden sie endgültig gebrochen.

Steffen Kachel wurde mit der vorliegenden Untersuchung an der Universität Erfurt promoviert.

Im Rahmen unserer Reihe Café Gedanken frei wird Steffen Kachel sein Buch „Ein rot-roter Sonderweg“ am 20. November 2011 im Wahlkreisbüro in der Marktstraße 17 in Weimar vorstellen.

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Café Gedanken frei mit Felix Leibrock

Die Gäste des Cafés Gedanken frei erlebten eine humorvolle und zum Nachdenken anregende Lesung. Mein Gast war der Pfarrer Felix Leibrock. Er saß nicht starr auf dem Podium und las aus seinem neuen Buch „Lutherleben – Ein Reformation-Roman“, vielmehr illustrierte er es mit vielen Worten, Gesten und „Bildern“ auf satirische Art und Weise. Er zeigte wie man mit dem Thema Religion umgehen kann und was seiner Meinung nach der Kirche fehlt: nämlich Humor! Es sollte nicht mehr eine Kirche bloßer Ordnungen sein – NEIN – vielmehr eine Kirche, die von Emotionen geprägt ist, so Leibrock.

Es wurde sehr angeregt über die Rolle der Religion diskutiert. Religion, so Luc Jochimsen, spielt eine maßgebliche Rolle, mit der wir uns unbedingt auseinandersetzen müssen. „Wir brauchen uns nur die Aufstände in Nordafrika ansehen. Da spielt die Religion eine sehr wichtige Rolle. Wir müssen deshalb nicht selbst religiös werden, aber wir müssen verstehen, was und wie es die Menschen bewegt“.

Leibrock betonte, dass wir auch heute von Luther lernen sollten, z.B. sich bestimmter – überholter – Ordnungen zu entledigen. Oft ist er aber auch deshalb in der eigenen Kirche großer Kritik ausgesetzt. Die Angst vor Veränderung und inhaltlicher Auseinandersetzung prägt das Handeln – oder Verharren – vieler Kollegen. Er beklagt, dass Luther sehr oft nur als touristischer Magnet benutzt wird und selten Grundlagen für wichtige Diskussionen z. B. zu Religion, Freiheit aber auch Toleranz anderen gegenüber ist.

Die Veranstaltung endete mit einer musikalischen Premiere: Edda Wachler, Pianistin aus Weimar, spielte zum Abschluss ein Klavierstück von Franz Liszt. Vielen Dank dafür!


Café Gedanken frei nach der Sommerpause!

(v.l.n.r.) Gabi Zimmer, Rosemarie Schuder, Andreas Peter

Die Gäste des ersten Café Gedanken frei nach der Sommerpause erlebten gestern eine großartige Lesung. Das Leben und Schicksal der in Weimar größtenteils unbekannten Sängerin und Schauspielerin Corona Schröter lockte zahlreiche Besucher in die Eckermann Buchhandlung. Denn dort stellten Rosemarie Schuder und Andreas Peter ihr neues Buch „Goethes schöne Krone – Corona Schröter und ihr Denkmal in Guben“ vor.
Nur Wenigen ist die Bedeutung Schröters für Weimar und insbesondere für Goethe und Carl-August, dem Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, bekannt. Es gelang ihr durch ihre Schönheit und Begabung beide in ihren Bann zu ziehen. So ist zum Beispiel bis heute ungeklärt, ob Goethe die Rolle der Iphigenie auf Taurus für Charlotte von Stein oder für Corona Schröter schrieb.
Nach dem die Autorin verschiedene Passagen ihres Buches gelesen hatte, fragte Dirk Möller, der Vorsitzende der Stadtratsfraktion der Linken, welche Beweggründe Schuder hatte, ein solches Buch zu schreiben. Schuders Interesse an Corona Schöter wurde durch den Nachruf des Theologen und Schriftstellers Daniel Falk ausgelöst. Einfühlsam und kenntnisreich beschreibt er darin, wie die Schauspielerin nach anfänglichem Ruhm und allseitig entgegengebrachter Bewunderung mit zunehmendem Alter an Bedeutung verlor und schließlich vereinsamt in Ilmenau starb.
„Aber warum soll an alter Stelle wieder ein Denkmal für Schröter in Guben errichtet werden?“, fragte einer der Gäste in der Diskussion. Darauf antwortete Andreas Peters, Mitautor und Verleger des Buches, mit einem Zitat Goethes: „Manches Herrliche der Welt ist in Krieg und Streit zerronnen; wer beschützet und erhält, hat das schönste Los gewonnen.“


Café Gedanken frei im September

 

Rosemarie Schuder & Andreas Peter stellen ihr Buch „Goethes schöne Krone“ vor und diskutieren mit Gabi Zimmer & Dirk Möller
„Im Jahr 2011 ein neues Buch über Corona Schröter? Ja, gerade in diesem Jahr, das ihren 260. Geburtstag verzeichnet!“ sagt der Herausgeber und Mitautor Andreas Peter. In ihrer Geburtsstadt Guben wird wieder über die Errichtung eines Denkmals diskutiert und wir begeben uns auf Spurensuche der Kammersängerin und Schauspielerin. Sie wirkte zur Zeit Goethes in Weimar, spielte erstmals die „Iphigenie“ und wurde vom Dichter selbst „Meine schöne Krone“ genannt. Aber der Besuch von Rosemarie Schuder gibt auch Gelegenheit, über das Leben und Wirken der Schriftstellerin zu reden.

Wann? Sonntag, 18. September 2011, 11.00 Uhr
Wo? Eckermann-Buchhandlung, Marktstr. 2, Weimar

Der Eintritt ist wie immer frei!!!


„An der Saale hellem Strande“

Am letzten Wochenende im Juni gab es zwei Ausgaben des „Café Gedanken frei“ – einmal in Erfurt am Sonnabend im Kino am Hirschlachufer und in Weimar im Kino „MonAmi“ am Sonntag.

Gezeigt wurde der Film „An der Saale hellem Strande“. Dieser beschreibt die Geschichte des Kulturhauses der ehemaligen Buna-Werke in Schkopau. Darsteller, Klubhausleiter, Mitarbeiter, u.a. erzählen über die hoffnungsvollen Anfänge, die alltägliche Umsetzung und den Zusammenbruch der Kulturarbeit in der DDR. In eindrucksvollen Bildern wurde beschrieben, wie in Schkopau der Versuch gemacht wurde, Arbeit und Kultur zu vereinen.

Peter Goedel, Helga Storck und André Blechschmidt

Aber der Film selbst stellte nur die eine Hälfte der Veranstaltung dar. Die beiden Abgeordneten hatten auch die Regisseure des Films, Helga Storck und Peter Goedel nach Erfurt und Weimar geholt. Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten, André Blechschmidt (DIE LINKE), diskutierten die beiden FilmemacherInnen anschließend über ihr Werk und mit dem Publikum.

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