Café Gedanken frei

So heißt unsere Matinee, die Frank Spieth und ich seit 2007 jeden zweiten Sonntag eines Monats in unserem Weimarer Bürgerbüro veranstalten: Nachdenken, voraus denken, alte und neue Gedanken, Querdenker, Kontroversen…
12. September 2010 in Café Gedanken frei, Termine

- © Roger Melis / Suhrkamp Verlag
Der Schriftsteller Volker Braun
liest im „Café Gedanken frei“
und diskutiert mit Gabi Zimmer und mir!
Im August 1990 schrieb Volker Braun in seinem Gedicht „Nachruf“: Da bin ich noch: mein Land geht in den Westen. Krieg den Hütten, Friede den Palästen. Diese Umkehrung des Büchner-Zitats macht deutlich: Braun hatte sich nicht mit der DDR abgefunden, aber er war auch nicht bereit, seine Vorstellungen vom Sozialismus zu beerdigen. Hat er jetzt seinen Frieden mit dem Kapitalismus gemacht? Wie lebt ein Mann heute, dessen erstes Werk in der DDR verboten wurde, der aber nie an Ausreise dachte? Auch darüber werden Gabi Zimmer und ich mit ihm sprechen.
Und natürlich wird Volker Braun lesen – ältere Sachen, aber auch aus seinem aktuellen Buch „Werktage – Arbeitsbuch von 1977 bis 1989″. Es ist eine Reflexion der Zeit des Niedergangs der DDR und gleichzeitig ein poetischer Abgesang auf diesen Staat. Seine Mitschriften des täglichen Lebens machen erfahrbar, wie Braun sich und seine Arbeit, die Kollegen und die politische Situation – in Ost und West – sieht.
Sonntag, 12. September 2010, 11 Uhr
Eckermann-Buchhandlung in Weimar, Marktstr. 2
Informationen zum Leben und Werk Volker Brauns
21. Juni 2010 in Café Gedanken frei
Auf der Suche nach der eigenen Identität, ja aus der damit einhergehenden Unruhe heraus, entsteht oftmals etwas Neues und Hoffnungsvolles. Die Freude, daran teilhaben zu können, bescherte uns gestern der Erfurter Stadtschreiber Catalin Florescu, den ich zusammen mit Gabi Zimmer in die Eckermann-Buchhandlung eingeladen hatte.
Die Suche, die der in Rumänien geborene und in der Schweiz aufgewachsene Schriftsteller unternimmt, ist nicht nur mit zahlreichen weiteren Landschaften und Orten verknüpft – man bedenke nur, dass er für seinen im C.H. Beck Verlag erschienenen Roman „Zaira“ einen längeren Aufenthalt in Washington (USA) absolvierte, um Teile der Handlung dorthin möglichst authentisch verlegen zu können.
Neben weiteren Landschaften und Orten sind es vor allem die zutiefst humanen Motive, an denen sich Florescus Suche inhaltlich orientiert: Ihn interessiert vor allem die Frage, wie wir glücklich und in Würde leben können. Sein Vortrag und seine Lesung aus „Zaira“ bestach durch Neugier, Wärme und Milde. Hiervon waren auch die Schilderungen und vorgelesenen Passagen geprägt, die vom Leben hinter dem Eisernen Vorhang handelten. Wir dürfen nun auf das nächste Werk von Catalin Florescu gespannt sein, das schon nächstes Jahr erscheinen soll. Uns erwartet ein weiteres Werk von europäischer Größe.
09. Mai 2010 in Café Gedanken frei

- Thomas Hartung, Ottomar Rothmann und Horst Walkling-Röhn
Das Gedenken der mörderischen Verbrechen der Nazidiktatur muss zukünftig noch stärker als bisher durch Formen kritischer, gesamtgesellschaftlich getragener Auseinandersetzungen wach gehalten werden. Nicht nur das Verharmlosen oder gar Leugnen des rechten Spektrums fordert uns dazu auf. Zudem werden uns schon bald die wachrüttelnden Schilderungen der Zeitzeugen fehlen – also gerade jene Beiträge zur Erinnerungskultur, die in den letzten Jahren prägend waren. Dieses Fazit zogen Thoams Hartung und ich am Sonnatg in unserem „Café Gedanken frei“, das diesmal im Jugenstheater stellwerk im Weimarer bahnhof stattfand.
Welcher große Verlust mit dem Ableben der Generation der Überlebenden des Unrechts verbunden ist, wurde gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich. In sehr bewegenden wie nachdrücklichen Worten schilderten die als Jungendliche im KZ-Buchenwald Internierten Ottomar Rothmann und Horst Walkling-Röhn ihre Erlebnisse.
Rothmann – 1921 in Magdeburg geboren, 1943 verhaftet und ins KZ verschleppt – berichtete von den Verbrechen der SS, dem Schicksal der internierten Kinder sowie der Widerstandsgruppe des Lagers, zu der er gehörte. Seine Rede unterstrich mit Blick auf die Gräuel, dass „Menschen zu allem fähig sind, sich über alle Grenzen der Humanität hinwegsetzen können“, wie er selbst sagte. Hinsichtlich der Gemeinschaft der Internierten betonte Walkling-Röhn –1928 in Kassel geboren, 1942 zunächst in Holland verhaftet und nach Auschwitz deportiert, 1945 auf einem Todesmarsch nach Buchenwald geschickt – die Kraft der Solidarität. „Nur so war es möglich, Widerstand zu leisten und zu überleben“, sagte er.

- Steffen Trostorff und Jens-Christian Wagner
In einem zweiten Teil diskutierte ich mit Steffen Trostorff, Jugendbildungsreferent, und Dr. Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Möglichkeiten, die Erinnerungskultur neu zu beleben. Bereits am 7. Mai hatte ich im Bundestag für unsere Fraktion den Antrag “Tag der Befreiung muss gesetzlicher Gedenktag werden” gestellt. In Weimar hob ich die Bedeutung des 8. Mai als Tag der Befreiung noch einmal hervor: Insgesamt wünsche ich mir ein lebendiges, von der ganzen Breite der Gesellschaft getragenes Gedenken, das nicht in Ritualen erstarrt.
19. April 2010 in Café Gedanken frei

- Dirk Möller befragt Ursula Schütt
Dass Fabeln und Märchen keine toten Gattungen sind, sondern sich auf das Hier und Jetzt beziehen können, zeigt das Ehepaar Schütt indem es altbekannte Figuren zu neuem Leben erweckt. Gestern waren Ursula & Siegfried Schütt in unserem „Café Gedanken frei“ zu Gast und lasen aus ihrem Buch „Das große Fressen. Grimmige Fabeln und fabelhafte Märchen“. Da arbeitet beispielsweise die Schnecke im Arbeitsamt, die Ameise meldet sich bei der Luftwaffe, ausgesetzte Haustiere werden nicht zu Stadtmusikanten, sondern landen vor Gericht, Hänsel und Gretel entpuppen sich als verwahrloste gefühlsarme Kinder. Und auch der Weimarer Graphiker Horst Peter Meyer war bei dieser Matinee mit dabei und hatte einige seiner Zeichnungen aus dem Buch im Gepäck.

- Siegfried Schütt
Und ich ließ es mir nicht nehmen, meine Lieblings-Fabel aus dem Büchlein selbst vorzulesen:
„Andere Zeiten“ weiterlesen …
22. März 2010 in Café Gedanken frei
Was der Mensch braucht – was ist Kultur wert?
Darum ging es bei unserer März-Matinee in der Weimarer Eckermann-Buchhandlung, zu der ich Franz Sodann, Sohn des berühmten Schauspielers Peter Sodann, begrüßen konnte. „Wenn es wahr ist, dass die Kultur das Bild einer Epoche prägt, wie wird man später über unsere Zeit denken?“ fragt sich Sodann. „Hat die ‚Low Culture‘ mit ihren Comedians gewonnen?“ Zur Einstimmung las er verschiedene Texte zum Thema, die uns deutlich machen sollten, welche Kraft, Wirkung und Bereicherung in der Kultur stecken – so zum Beispiel „Was der Mensch braucht“ von Arnold Zweig und „Die Monotonisierung der Welt“ von Stefan Zweig. Denn auch heutzutage könne man von einer Art Monotonisierung der Gesellschaft sprechen, meinte Sodann. „Es gibt einen Massengeschmack, wodurch viel Kultur auf der Strecke bleibt.“ weiterlesen …
22. Februar 2010 in Café Gedanken frei
Unter diesem Motto diskutierte ich gestern mit der LINKE-Abgeordneten aus Thüringen über ihre parlamentarische Arbeit in Straßburg und darüber, wie es um Europa steht.
„Die EU darf nicht länger bloß eine Wirtschafts- und Währungsunion sein, sie muss zu einer Sozialunion ausgebaut werden. Die europäische Linke steckt noch in den Babyschuhen“, so Gabi Zimmer. Vor allem fehle uns in Europa noch eine gemeinsame linke Idee. Denn Europapolitik sei mehr als die Summe der nationalen Politiken. Und so gingen wir mit der gemeinsamen Hoffnung an diesem Vormittag auseinander, dass eine starke Linke überall in Europa Normalität wird – sie ist für die demokratische Kultur ganz einfach essentiell.
24. Januar 2010 in Café Gedanken frei

Im ersten „Café Gedanken frei“ des Jahres 2010 hatte ich den in Weimar lebenden Pfarrer und früheren Stadtkulturdirektor von Weimar, Felix Leibrock zu Gast - und meinen ehemaligen Fraktionskollegen Frank Spieth, mit dem ich diese Veranstaltungsreihe im Jahr 2007 ins Leben gerufen habe. Gemeinsam sprachen wir mit Felix Leibrock über 20 Jahre ‚Wende‘.
„Wir sind ein Volk“? Wirklich? Herrscht immer noch ein Kulturschock? Bleibt dauerhaft eine Mauer im Denken? Oder wächst zusammen, was zusammengehört? Leibrock betrachtete das Konsumverhalten in Ost und West, die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen, aber auch literarische Beiträge zu diesem Thema und kam zu dem Entschluss, dass wir noch immer in zwei Kulturen leben. Das ließe sich an mit so vielen Beispielen belegen: sei es die höhere Konfliktbereitschaft der Westdeutschen, das im Osten des Landes verbreitetere Händeschütteln oder das Verfassen von Bewerbungen – der Ostdeutsche ginge tendenziell mehr auf die Sache ein und stelle seine eigene Person eher in den Hintergrund. Felix Leibrock machte aber schnell deutlich, dass wir trotz aller Unterschiede „auf einem guten Weg zur innerlichen deutschen Einheit“ sind. Man müsse sich jedoch noch mehr von den verschiedenen Leben erzählen, um sich besser zu verstehen, und mehr über sich lachen. Felix Leibrock richtete auch einen ganz klaren Appell an uns Politiker – denn in erster Linie müsse die Politik die Voraussetzungen für eine wirkliche Einheit schaffen. weiterlesen …
13. Dezember 2009 in Café Gedanken frei
Im letzten „Café Gedanken frei“ im Jahr 2009 hatte ich Martin und Gerlinde Rambow zu Gast und sprach mit ihnen über ihr vielseitiges Engagement gegen Krieg und Militär.
Beide sind aktiv im Netzwerk Friedenssteuer und haben mit weiteren acht Beschwerdeführern gegen die Rüstungsausgaben des Bundeshaushalts 2009 eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. „Ich erfahre es als eine erhebliche Gewissensnot, zur Zahlung von Steuern für Militär und Rüstung gezwungen zu sein. Damit werde ich an der Ausübung des Grundrechts der Gewissensfreiheit, wie es im Grundgesetz Artikel 4 zugesichert ist, gehindert.“, so Martin Rambow. „Wir müssen auf unsere Kinder und die zukünftigen Generationen achten. Wir haben eine Informations- und Erziehungspflicht.“, begründete seine Frau Gerlinde ihre Arbeit im Netzwerk Friedenssteuer. Sie möchte, wie auch die anderen Beschwerdeführer, nicht länger gezwungen sein, Kriegsdienst zu leisten – wenn auch nicht mit der Waffe, sondern durch die Steuergelder. Seit Februar 2009 liegt die Beschwerde nun beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und ihre Initiatoren warten auf Antwort – noch ist nicht klar, ob sie überhaupt verhandelt wird.
Außerdem berichtete Martin Rambow von seinen Erlebnissen als ökumenischer Begleiter – im Rahmen eines Menschenrechts-Beobachtungs-Programms – an einem Checkpoint in Bethlehem, wo er im Frühjahr drei Monate lang den Grenzverkehr überprüfte und Palästinenser bei der mühsamen Passage nach Jerusalem begleitete. „Wir dürfen nicht in einen der beiden Schützengräben springen – auch wenn es eine Versuchung ist. Sondern wir müssen beide Seiten, sowohl die israelische als auch die palästinensische Bevölkerung, immer wieder mahnen, zum Völkerrecht zurückzukehren.“, appellierte Martin Rambow abschließend. weiterlesen …
10. Dezember 2009 in Café Gedanken frei
Martin Rambow, der am Sonntag im „Café Gedanken frei“ zu Gast sein wird, ist auch Mitglied im ‚Netzwerk Friedenssteuer‘. Zusammen mit seiner Frau Gerlinde (Foto), die ich an diesem 3. Advent ebenfalls begrüßen werde, und anderen engagierten BürgerInnen hat er eine Verfassungsbeschwerde gegen die Rüstungsausgaben des Bundeshaushalts 2009 eingereicht. „Ich erfahre es als eine erhebliche Gewissensnot, zur Zahlung von Militär und Rüstung gezwungen zu sein“, so Martin Rambow. Sie fühlen sich an der Ausübung ihres Grundrechts der Gewissensfreiheit nach Art. 4 GG gehindert, „denn ich leiste täglich Kriegsdienst, zwar nicht mit der Waffe, dafür umso mehr mit meinem Geld“, meint Gerlinde Rambow.
Auch zu der Verfassungsbeschwerde und dem ‚Netzwerk Friedenssteuer‘ werde ich meine Gäste an diesem Sonntag befragen. Alle Interessierten sind ganz herzlich eingeladen.
09. Dezember 2009 in Café Gedanken frei
KRIEG & FRIEDEN
Es reicht nicht aus, wenn alle immer nur sagen, dass sie grundsätzlich gegen Krieg sind. Es muss auch Menschen geben, die mutig und engagiert aktive Friedensarbeit leisten.
Der Pfarrer Martin Rambow aus Weimar ist so ein Mensch. Und am kommenden Sonntag wird er im „Café Gedanken frei“ davon berichten – von seinen Erlebnissen als ökumenischer Begleiter an einem Checkpoint in Bethlehem. Drei Monate lebte er in Bethlehem und stand vor Sonnenaufgang an einem Checkpoint (Foto), um den Grenzverkehr zu überprüfen und Palästinenser bei der mühsamen Passage nach Jerusalem zu begleiten. „Je mehr Stacheldraht, je mehr Mauer, desto sicherer, desto besser! Für wen?“, fragte sich Martin Rambow. Ob er Antworten gefunden hat in diesen Wochen dort? Ich werde ihn danach fragen.
Sonntag, 13. Dezember, 11 Uhr
im Weimarer Bürgerbüro in der Marktstr. 17
der Eintritt ist frei
nach oben