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Diskussion mit Oskar Lafontaine im Hamburger Schauspielhaus

marat
Chor, Foto: A. T. Schaefer

Gesternabend im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Eine total ausverkaufte Vorstellung von Volker Löschs Inszenierung „Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?“ nach Peter Weiss. Ein „Chor der Armen“: Rentner und Rentnerinnen, Hartz IV-Empfänger, Arbeitslose – keine Schauspieler – kämpft ums Überleben in einer überdimensionalen Gummizelle, verliest die Adressen Hamburger Millionäre und die Summen ihrer Vermögen: 500 Millionen, 600, 900, 1 Milliarde, 4 Milliarden… und ruft nach einem Anführer, der mit ihnen die Revolution machen soll. Es treten auf: Marat, Lenin, Rudi Dutschke, Fidel Castro – und Oskar Lafontaine. Da geht immer ein Raunen durchs Parkett, wenn der Lafontaine-Darsteller durch die vordere Parkett-Tür in den Zuschauerraum kommt. Das war schon bei der heftig umstrittenen Premiere und den späteren, stets umjubelten Aufführungen so – und gestern Abend erst.
Denn da saß Oskar Lafontaine in der 7. Reihe. Er war gekommen, weil ihn das Stück interessierte und auch die Rolle seines Doppelgängers, der sehr schnell auf der Bühne einem Attentat zum Opfer fällt.

In der Diskussion mit den Darstellern und einem dichtgedrängten Publikum ging es dann um die Frage, wie kommt „das Volk“ raus aus der ungerechten, lebensschädigenden Ausbeutung. „Streik, Generalstreik“ schlägt Lafontaine vor, „in Frankreich lässt sich das Volk weniger gefallen.“ „Wir sollten Banken besetzen“ schlägt ein Chormitglied vor und ein anderes fragt: „Können wir das Geld nicht ganz abschaffen?“… Bis weit in die Mitternacht wurde gefragt und argumentiert. Ein sehr hanseatisch-aussehender Herr sagte: „Herr Lafontaine, wir würden ja durchaus DIE LINKE wählen, wenn es da nicht diesen SED-Teil Ihrer Partei gäbe, können Sie sich von denen nicht lösen und eine richtige West-Linke aufbauen?“ Diese unausrottbare West-Ost-Ablehnung – im 20. Jahr der Einheit. Immer und immer werden wir da argumentieren müssen, Marat!

Heute ist ein Parlamentstag mit 63 Tagesordnungspunkten. Ein Unding, weil niemand mehr gehört wird und zuhört. Zu Punkt 28 – Auswärtige Kulturpolitik – und 60 – UNESCO-Welterbeübereinkommen – habe ich meine Reden zu Protokoll gegeben. Vorher und zwischendurch gibt es Debatten mit namentlichen Abstimmungen zu folgenden Themen:

- Beteiligung deutscher Streitkräfte am Einsatz von NATO-AWACS im Rahmen der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan
- Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Friedensmission der Vereinten Nationen im Sudan
- Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der AU/UN-Hybrid-Operation in Darfur
- Gesetz zur Streichung des Optionszwangs aus dem Staatsangehörigkeitsrecht
- Erhöhung des Schonvermögens im Alter für Bezieher von Arbeitslosengeld II

Meine Reden und die Ergebnisse der namentlichen Abstimmungen werden morgen hier veröffentlicht.