Warum ich für das Bundespräsidentenamt kandidiere
08. Juni 2010 in Kandidatur für das Bundespräsidentenamt, Tagebuch
So eine Kandidatur hat immer mit dem eigenen Leben zu tun.
Meine Kindheit wurde durch den Krieg beherrscht. Deshalb wurde Frieden, Eintreten für den Frieden mein Lebensthema. Meine Jugend nach 1945 prägte die amerikanische Re-Education. Schlüsselbegriffe sind seitdem für mich: Freiheit, Demokratie und die Würde des Einzelnen – auch das Streben nach Glück.
Als junge Soziologin und Journalistin erlebte ich dann die Zeit des Kalten Krieges – sie entwickelte meine Kritik.
- Kritik an bedingungsloser Westbindung
- Kritik an der Wiederbewaffnung
- Kritik an der Einbeziehung der Nazis, am Umgang mit der Geschichte der Nazi-Diktatur.
- Kritik am zunehmenden kapitalistischen Einfluss – und der war damals ein Kinderspiel im Vergleich zu heute.
Als junge Mutter, mein Sohn wurde 1970 eingeschult, habe ich die Ungerechtigkeiten des Schulsystems der BRD kennengelernt – die Grundschule als „Hinterhof der Nation“ – mein rororo-Buch mit diesem Titel hatte immerhin eine Auflage von 65.000.
Von da an war Schulreform mein journalistisches Thema – in Fernseh- und Hörfunkdokumentationen und ab 1974 bei PANORAMA.
Kinder, Frauenrechte, Frauendiskriminierung, § 218, Sexualmoral des Vatikans, die Lebenssituation türkischer Töchter…. Alles damals schon.
Ich war immer auf der anderen Seite.
Und das war das grundsätzlich Positive an der BRD – bei allen Defiziten – ich konnte das auch sein – ohne Bespitzelung, ohne Wegsperren. Es war nicht leicht, aber es war möglich! Sogar an exponierten Stellen der öffentlich-rechtlichen Medien. NDR und HR haben mir – nach langen Auseinandersetzungen – große Aufgaben übertragen: Das ARD-Studio in London – die Chefredaktion in Frankfurt am Main.
Und 1998 dann die große Hoffnung auf eine politische Wende nach 16 Jahren Kohl.
Und die Enttäuschung, der Schnitt durch Lafontaines Aufgeben.
Parallel dazu die Stigmatisierung der PDS – das Totschlagen jeglicher linker Positionen jenseits der SPD, die immer mehr von ihren Grundsätzen abrückte.
Dann die Kriegseinsätze. Von da an suchte ich die andere Seite, fand sie in Gesprächen mit Bisky, Gysi, Bartsch…Gabi Zimmer.
2002 nach meiner Pensionierung habe ich den bewussten Schritt als Westperson zur PDS getan. Ich verstand dies als Vereinigungsmöglichkeit, habe nie verstanden wieso so wenige linke Westdeutsche dies auch taten.
Der Wahlkampf in Hessen 2002 glich manchmal einem Spießrutenlauf – Gabi Zimmer nahm mich mit nach Thüringen – so bin ich „unter die Thüringer gefallen“. Dort habe ich seit 2005 eine neue politische Heimat.
Warum ich antrete?
Damit im Vorfeld dieser bedeutenden Wahl unsere Themen auch zu Sprache kommen:
- Frieden als erstes! Wir müssen wieder eine friedlichere Gesellschaft werden – nach außen – wie nach innen.
- Und eine wirklich vereinte Gesellschaft, die aus Ost und West Besseres schafft, als das, was wir zurzeit haben.
- Und in dieser Krise müssen die Schwachen dieser Gesellschaft unterstützt und geschützt werden – sie brauchen Hilfe – mehr als je zuvor.
- Für mich galt und gilt:
Die Einheit von politischer Freiheit und sozialer Sicherheit und Gerechtigkeit, als der Wert, den unsere Gesellschaft zusammenhält, die Demokratie sichert!
Ich habe gelernt, dass es nicht darauf ankommt, dass man gewinnt, dass man sich sofort durchsetzt mit seinen Ideen und Haltungen.
Auch wenn eine Mehrheit das lange anders sieht und ablehnt bleiben die Ideen, die Themen, die Probleme.
Sie dürfen nur nicht totgeschwiegen werden, sie müssen in die Diskussion eingebracht werden. Sie brauchen eine Stimme.
Diese Stimme zu sein wäre mir eine Ehre.
