Ein nicht hinnehmbarer Kulturverlust
28. April 2010 in Tagebuch
Die Berliner Zeitung stellt in ihrer heutigen Ausgabe eine ganz entscheidende Frage im Falle der gefährdeten Berliner Wandbilder von Walter Womacka und Ronald Paris: „Wer nimmt das ungeliebte Erbe?“ (siehe auch Tagebuch-Einträge vom 25. März, 13. und 15. April). „Die üppig verbreitete, oft ziemlich ideologisch-dekorative Kunst am Bau aus DDR-Zeiten wird zum großen Teil zur ungeliebten Erbmasse, für die sich keiner zuständig fühlt, das sich Künstler, von deren Hand die Werke stammen, aber auch nicht einfach zurückholen dürfen, ohne einen bösen juristischen Verwaltungsakt auszulösen“, heißt es da sehr zu recht.
Es muss sich aber jemand zuständig fühlen, weshalb Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine dringliche Anfrage von uns erhielt, wie die Kunstwerke zu retten sind. Nun bekam ich eine Antwort vom Staatsminister, in der er Folgendes schreibt: „Auch mir ist bewusst, dass es sich bei den beiden Malern um über die Grenzen der DDR hinaus bekannte und anerkannte Maler handelt, die die bildende Kunst der DDR wesentlich mitgeprägt haben. Als Zeugnisse der Kunstgeschichte der DDR sind die Wandbilder sicherlich ebenso erhaltenswert wie das Wandbild von Max Lingner „Aufbau der Republik“ am Bundesministerium der Finanzen…“.
So weit, so gut.
Dann aber kommt der große Widerspruch, indem er schreibt, die Bundesregierung wäre bereit, die Wandgemälde interessierten Dritten unentgeltlich abzugeben, wenn die wiederum die Kosten für die Abnahme und die Sicherung übernähmen. Wenn es der Bundesregierung wirklich darum geht, die Bilder zu erhalten und vor allem für die Öffentlichkeit zu bewahren, dann darf sie sie nicht einfach irgendwelchen Interessenten überlassen – ob nun unentgeltlich oder nicht spielt in dem Moment doch gar keine Rolle.
Es bräuchte jetzt eine solidarische Bewegung aus Kunst und Politik zur Rettung der beiden Wandbilder. Und es gibt auch schon verschiedene Reaktionen: so formulierte beispielsweise Herbert Mondry, Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin e.V., eine dringende Bitte um Unterstützung an die Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Dr. Monika Grütters.
HIER sein Schreiben.
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