Berlin: Zwei außerordentliche DDR-Kunstwerke in Gefahr
25. März 2010 in Tagebuch
Das Wandgemälde von Prof. Ronald Paris im ehemaligen Zentralamt für Statistik der DDR in der Otto-Braun-Straße und das Wandbild von Prof. Walter Womacka am früheren Bauministerium der DDR in der Breiten Straße sind durch drohende Abrisse der Gebäude gefährdet.
Beide Liegenschaften sind Eigentum des Bundes. Doch keiner kann uns bisher zuverlässig Auskunft darüber geben, wer dafür zuständig ist, geschweige denn, ob und wie die Werke gerettet werden können. Dabei würde dies keine Unsummen kosten. Das Kunstarchiv Beeskow hat ein Gutachten beauftragt, wonach es 13.733 Euro bräuchte, um das Bild von Ronald Paris abzunehmen – Geld, das sich doch beschaffen lassen müsste.
Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen und um den Verlust dieser beiden Kunstwerke zu verhindern, haben meine Fraktion und ich zunächst eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, in der wir Folgendes wissen möchten:
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, dass die Wandbilder von Prof. Ronald Paris im Gebäude des ehemaligen Zentralamtes für Statistik der DDR und von Prof. Walter Womacka am früheren Bauministerium der DDR im Rahmen der städtebaulichen Neuordnung der Bundesliegenschaften im Bereich Karl-Marx-Allee/Otto-Braun-Straße und in der Breiten Straße in Berlin akut durch Abriss gefährdet sind?
2. Wie beabsichtigt die Bundesregierung mit diesen zu DDR-Zeiten geschaffenen (nicht nur nach Auffassung der Fragesteller) bedeutenden Werken namhafter Künstler umzugehen, die zugleich wichtige Zeugnisse deutscher Kulturgeschichte darstellen? Was hat die Bundesregierung bislang unternommen, um die Wandbilder zu erhalten? Wird die Bundesregierung diese Kunstwerke schonend bergen, restaurieren und für die Allgemeinheit bewahren? Welche Pläne hat die Bundesregierung dafür, die Kunstwerke der Öffentlichkeit zu erhalten?
3. Was hat die Bundesregierung bislang unternommen, um Bundesinstitutionen (z.B. Deutsches Historisches Museum), Institutionen des Landes Berlin oder andere Einrichtungen (z.B. Kunstarchiv Beeskow) zu ermutigen, die Wandbilder in ihre Obhut zu nehmen?
4. Ist die Bundesregierung bereit, die Kosten für die Bergung der Wandbilder zu tragen? Warum sieht sich weder die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik noch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in der Lage, die Kosten der Bergung des Wandbildes von Ronald Paris von ca. 18 T Euro aufzubringen? Mit welchem Betrag rechnet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bei der Verwertung der betreffenden Grundstücke?
5. Warum hat der Freundeskreis Walter Womacka e.V. auf seine Nachfragen zu den Vorgängen vom 1. April und 4. Juli 2009 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bis heute noch keine Antwort erhalten?
6. Wer ist der Ansprechpartner vonseiten der Bundesregierung für die Sicherstellung des Kunstobjektes von Walter Womacka? Und wer ist der Ansprechpartner für die Bergung und Sicherstellung des Wandbildes von Ronald Paris?
7. Falls die Bundesregierung keine Pläne für den Erhalt der Kunstwerke hat, würde sie diese den Künstlern bzw. von ihnen autorisierten Dritten kostenlos überlassen?
8. Würde die Bundesregierung eine Initiative der Künstler oder Dritter finanziell unterstützen, die Wandbilder zu bergen und nach Restaurierung in einem geeigneten Rahmen der Öffentlichkeit zu erhalten?
Sobald wir Antworten bekommen, werde diese hier nachzulesen sein.
BITTE LESEN UND WEITERSAGEN