Zwei Fragen an die Bundesregierung und ihre vollkommen unbefriedigenden Antworten – Teil 1
15. April 2010 in Kultur in Deutschland, Tagebuch
Bei der ersten Frage ging es um die „Bergung und Sicherung der Wandbilder von Prof. Ronald Paris und von Prof. Walter Womacka in Berlin“.
Heute erschienen in der Berliner Zeitung und dem Tagesspiegel Artikel darüber, dass der Bund die o.g. bedeutenden Kunstwerke verschenken möchte, nur die Ab- und Aufbaukosten (Paris-Gemälde ca. 18.000 Euro) wären von dem neuen Eigentümer zu bezahlen. Da der Bund sich bisher nur bemüht hatte, das Paris-Gemälde zu veräußern, sehe ich es als „Verdienst“ meiner Kleinen Anfrage an, dass nun auch das Wandbild von Womacka öffentlich angeboten wird. Wie Thomas Flierl kommentiert, handelt es sich bei den beiden großartigen Bildern „ … um öffentlichen Kunstbesitz, den es … aus finanziellen, kunsthistorischen und zeitgeschichtlichen Gründen zu bewahren gilt“. (vgl. Tagebuch, 13.04.10) Kann, darf die Bundesregierung solche Kunstwerke verschenken? An wen auch immer, der wie auch immer damit umzugehen gedenkt? Welch ein verantwortungsloser Verzicht auf kulturelle Geschichte in Berlin drückt sich in dieser Wegwerfpolitik aus? Wir konnten bisher wenigstens verhindern, dass die Kunstwerke in aller Stille verschwinden und entsorgt werden.
Am 1. April und wieder am 4. Juli 2009 fragte der Freundeskreis Walter Womacka e.V. untertänigst bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben schriftlich nach, wie man mit dem Kunstwerk umzugehen gedenke. Bis 25. März 2010 keine Nachricht. Auf unsere Frage gibt die Bundesregierung als Antwort, dass sich die Bundesanstalt telefonisch gemeldet habe.
„ … So bald sich der Abschluss eines Vertrages abzeichnet“ (vgl. BT-Drucksache 17/1243 vom 25. März 2010), werde man sich zurückmelden. Nun soll der Freundeskreis im Mai über den aktuellen Stand unterrichtet werden. Umgang der Bundesregierung mit ihren Bürgern! Zutiefst empörend!
Folgende Fragen wurden von der Bundesregierung schlichtweg übergangen: „Wie beabsichtigt die Bundesregierung mit diesen zu DDR-Zeiten geschaffenen (nicht nur nach Auffassung der Fragesteller) bedeutenden Werken namhafter Künstler umzugehen, die zugleich wichtige Zeugnisse deutscher Kulturgeschichte darstellen? Wird die Bundesregierung diese Kunstwerke schonend bergen, restaurieren und für die Allgemeinheit bewahren?“ Thomas Flierl schreibt: „Die Finanzierung der Bergung und Restaurierung dürfte kein Problem sein, da die beiden attraktiven Liegenschaften gewinnbringend veräußert werden.“ Wohl wahr! Es geht um Millioneneinnahmen, die mit den Grundstücken gemacht werden. Auch wenn es in der Antwort der Bundesregierung zynischerweise heißt, dass
„ … noch keine Wertvorstellungen entwickelt“ wurden.
