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Rückblick auf die Tage im Zeichen der Erinnerung an den 8. Mai 1945 – Teil 3

Sonntag, 9. Mai wieder in Weimar, diesmal im Bahnhof im Jugendtheater stellwerk das „Café Gedanken frei“.

Podium
Thomas Hartung, Ottomar Rothmann, Horst Walkling-Röhn, Steffen Trostorff, Jens-Christian Wagner (v.l.n.r.)

Gespräche auf zwei Ebenen. Thomas Hartung mit Ottomar Rothmann, der in Buchenwald befreit wurde und Horst Walkling-Röhn, der 1942 nach Auschwitz deportiert wurde und 1945 mit den Todesmärschen nach Buchenwald kam.
Schwer lastet der Apell an uns: Allem und frühzeitig entgegenzusetzen, was zu einer Wiederholung dessen führen könnte, was sie durchlitten und wie ein Wunder überlebt haben.
Meine Gesprächspartner haben die Terror-Herrschaft der Nazis nicht selbst erlebt. Dr. Christian Wagner, der Direktor der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist 1966 geboren, also 11 Jahre nach Kriegsende. Steffen Trostorff ist noch gut 10 Jahre jünger. Er gehört der „Enkelgeneration Buchenwald“ an – im übertragenen wie unmittelbaren Sinn. Sein Großvater war Häftling in Buchenwald und zu DDR-Zeiten dessen langjähriger Direktor. Er erzählt, dass er von der Leidensgeschichte seines Großvaters übrigens zum ersten mal in einer öffentlichen Versammlung erfahren hat, einem Zeitzeugen-Gespräch wie unserem an diesem Sonntag, und dass er die Öffentlichkeit als ein Glück empfunden habe. Familiennähe wäre da zu schmerzlich gewesen – und „in der Familie wurde darüber nicht gesprochen.“ Welch‘ eine Tragik! So ist wenigstens mein Empfinden.

Ja, was können wir tun, um die Erinnerung lebendig zu erhalten. „Ich mag das Wort Erinnerung nicht“, sagt Christian Wagner, „Ich ersetze es durch Auseinandersetzung“. Wie recht er hat.
Also, setzen wir uns auseinander mit der Völkerhetze der Bildzeitung über die Griechen, mit den Abschiebeplänen der Bundesregierung, die tausende Roma in den Kosovo zurückschicken will, die als Bürgerkriegsflüchtlinge vor mehr als 10 Jahren zu uns gekommen sind, mit den Nazi-Aufmärschen und damit, dass Abgeordnete „zur Rechenschaft“ gezogen werden, die blockiert haben und den Gleichsetzungen von „brauner“ und „roter“ Diktatur – und Reden zum 8. Mai, die nur von Schreckenstaten der Roten Armee handeln und nicht vom fast übermenschlichen Kampf eines überfallenen und mit Greueltaten überzogenen Volkes, das uns – zusammen mit Briten und Amerikanern – befreit hat.