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Entwürfe für das Freiheits- und Einheitsdenkmal

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Noch einmal zum Freiheits- und Einheitsdenkmal. Ich bin immer dafür eingetreten, dass wir über dieses Projekt eine breite öffentliche Diskussion brauchen.
Nun werden noch bis zum 31. Mai im Kronprinzenpalais in Berlin die 532 Wettbewerbsentwürfe ausgestellt, von der die Jury sagt, dass kein einziger es wert wäre, weiterverfolgt zu werden. Dieses Scheitern betrachte ich als Chance, damit die bislang zu großen Teilen von der Debatte ausgeschlossene Bevölkerung in der Denkmaldiskussion mitreden kann.

Die Auslober des Wettbewerbs machen es aber der Öffentlichkeit nicht leicht. Die Ausstellung im Kronprinzenpalais ziert ein einziges dürftiges Gästebuch, über dessen spätere Auswertungsabsicht keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Zu allem Übel wird das Buch mit Anweisungen in Frageform eingeleitet. Die Besucherinnen und Besucher sollen sich „persönlich ein Freiheits- und Einheitsdenkmal“ am vom Bundestag beschlossenen Ort vorstellen. Sie sollen Anmerkungen zur Ausstellung machen. Und sie sollen sagen, welcher Entwurf ihnen am besten gefällt. Nicht vorgesehen sind offenbar Meinungen zu Sinn und Unsinn des Denkmals, zum Standort und zur Realisierbarkeit des Vorhabens.

Glücklicherweise halten sich die am Denkmal Interessierten nicht an diese Vorschrift. Von ca. 150 Einträgen bis gestern behandeln etwa ein Drittel genau die Probleme, die Bundestag, Trägerverein und Jury besser nicht erörtert wissen wollen. Hier eine kleine Auswahl:
„Diese Jury ist gescheitert.“ / „Der Platz am Schlossplatz ist falsch gewählt!!! Das sollte unbedingt neu überlegt werden.“ / „Ich würde die Notwendigkeit eines solchen Denkmals ausgerechnet (!) am Ort des früheren Nationaldenkmals prinzipiell in Frage stellen. In welche Kontinuitätslinie stellt sich denn die Bundesrepublik da?!?“ / „Standort verlassen (Schlossfreiheit anders nutzen), Gedenken auf 1989 konzentrieren und noch lange diskutieren.“ / „Ein Psychogramm unserer Gesellschaft: Nichts wird ernst genommen, nichts kann für andere vermittelt werden. Geschichte? Wieso? Es ist alles nur Tagesgeschäft, keine Blicke in die Zukunft für folgende Generationen!“

Eine Stichprobe, nicht repräsentativ – sicher. Aber das sind die Fragen, über die endlich eine gesamtgesellschaftliche Debatte geführt werden muss. Ich bin mir sicher, dass eine solche Diskussion andere Resultate hervorbringt als die jetzt präsentierten. Und das ganze Projekt hätte immerhin ein offenes demokratisches Fundament.