Stadtschloss mit Riss
02. Dezember 2009 in Pressemitteilungen
Ein feiner Riss durchzieht bereits heute die geplante barocke Stadtschloss-Fassade in Berlin. Trotz der Gerichtsentscheidung muss nun erneut die Chance ergriffen werden, eine wirklich öffentliche Debatte über die Nutzung und Gestaltung des Stadtschlosses zu führen. So kommentiere ich in einer Pressemitteilung die heutige Entscheidung des Oberlandesgericht, die Nichtigkeit des Stadtschloss-Vertrages mit dem Architekten Franko Stella aufzuheben. Zwar bliebe der Vertrag zunächst rechtsunwirksam, könne aber neu geschlossen werden.
Immer noch besteht die Gelegenheit, innezuhalten und das Konzept für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses insgesamt zu überdenken. So bleibt beispielsweise der eigentliche Sinn und Zweck des Humboldt-Forums weiterhin äußerst nebulös. Damit an diesem geschichtsträchtigen Ort mehr als nur eine Barockhülle entsteht, könnte man beispielsweise den denkmalgeschützten Volkskammersaal einbinden. So würde der historische Bezug stärker betont. Auch die zentralen Fragen, inwieweit über Gestaltung und Nutzung des Stadtschlosses nicht demokratischer entschieden werden sollte, muss erneut aufgegriffen werden.
Schließlich erinnern wir uns gut daran, wie ein feiner Riss in der Fassade am Ende das gesamte Hause Usher unter den erstaunten Augen des Beobachters zu Fall brachte.