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Business as usual – gestern im Kulturausschuss

PalastDer Kulturstaatsminister Bernd Neumann zeigte sich „in diesen Zeiten“ sehr zufrieden, bei der Sparklausur der Bundesregierung „Angriffe abgewehrt“ zu haben. Mit der zeitlichen Verschiebung des Wiederaufbaus des Schlosses ist er einverstanden, weil so die inhaltliche Diskussion vertieft sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung gesteigert werden könne. Auf meine Nachfrage, was das Moratorium real für den finanziellen Arbeits- und Produktionsaufwand bedeutet, antwortete er, dass er als Dienstherr der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nur für die inhaltliche Ausrichtung zuständig sei. Ich habe daraufhin gebeten, dass der für den Bau zuständige Minister, Peter Ramsauer, so bald wie möglich in den Kulturausschuss eingeladen wird.
Von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hielt deren Präsident, Hermann Parzinger, einen Vortrag über die Stiftung im Allgemeinen und das Schloss im Besonderen. Dieser Termin war schon längere Zeit geplant worden, erhielt aber aufgrund der Ereignisse der letzten Tage eine brisante Aktualität. Es ging um die außereuropäischen Sammlungen, die nun im Schlossnachbau ausgestellt werden sollen, imposante Ausstellungen sind das, kein Zweifel. Aber warum sie ins Schloss namens Humboldt-Forum gehen – ist nach wie vor nicht erklärlich. Entweder Schloss oder Welt-Museum – dazu müßte man sich entscheiden. „Selbstkritisch“ stellten die Ausschussmitglieder fest, „dass es nicht gelungen ist, Akzeptanz zu bekommen für dieses Projekt – nicht mal unter den Berlinern.“ Kein Wort, dass der Abriss des Palastes der Republik dabei eine Rolle spielt. Kein Wort auch, dass man eine Hülle konstruieren will mitten in der Hauptstadt – und immer noch nicht weiß, was man damit den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich machen will. Die Boote aus der Südsee und der Federschmuck vom Amazonas, so beeindruckend sie sind, sind im „Schloss“ fehl am Platz.

Ein kleiner Zusatz: Im dpa-Notizblock gibt es ein Zitat vom Kulturstaatsminister Bernd Neumann: „Es darf keine grüne Wiese, eine Zahnlücke in der deutschen Hauptstadt geben, Berlin ist das Schaufenster der Kulturnation Deutschland. Die letzte Antwort an dieser historischen Stelle darf nicht Walter Ulbricht, der kulturelle Barbar, sein.“ Der Kalte Krieg ist wohl zurück. Und wer sind die Barbaren, die den Palast der Republik abgerissen haben?