Junge Erfurterin als fiktive Abgeordnete im Bundestag
15. Juni 2009 in Arbeit im Bundestag, Tagebuch
Jedes Jahr kommen rund 300 Jugendliche aus ganz Deutschland für vier Tage nach Berlin, um bei dem Planspiel JUGEND UND PARLAMENT des Deutschen Bundestages selbst Politik zu machen. Die 21-jährige Julia Freitag aus Erfurt wurde von mir dazu eingeladen und schlüpft nun in die Rolle einer erdachten Abgeordneten. Ausgestattet mit neuem Namen, neuer Biographie und neuer politischer Gesinnung, ist sie Mitglied dieses fiktiven Parlaments – bestehend aus der Konservativen Volkspartei, der Arbeiterpartei Deutschlands, der Liberalen Reformpartei, der Partei der sozialen Gerechtigkeit und der Ökologisch-sozialen Partei.
Heute habe ich Julia Freitag getroffen und mich mit ihr über „Jugend und Parlament“ unterhalten – schließlich gehört es ja für Politiker dazu, Interviews zu geben:
- Wie bist du zu dem Planspiel „Jugend und Parlament“ gekommen?
Ich habe ein Praktikum bei der Jugendberufsförderung Erfurt gemacht und plötzlich sagte mein Chef, ich könnte zusammen mit einem Kollegen nach Berlin, in den Bundestag fahren und bei „Jugend und Parlament“ mitmachen. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass es das gibt. Aber ich habe mich gleich sehr darauf gefreut.
- Welche Identität hast du denn innerhalb des Spiels angenommen und womit beschäftigst dich du dich in dem fiktiven Parlament?
Ich bin nun Hildegard Jadamowitz von der Konservativen Volkspartei. Und dort bin ich in einer Gruppe, die sich speziell mit Frauen- und Seniorenthemen befasst. Darauf hatte man eigentlich keinen Einfluss – aber ich bin zufrieden. Jugend und Familie hätte mich allerdings auch sehr interessiert.
- Wie findest du „Jugend und Parlament“?
Das ist eine sehr gute Sache, bei der man wahnsinnig viele neue Erfahrungen macht. Man bekommt eine Ahnung, wie es in Wirklichkeit ist und wie die Politiker so arbeiten – verschiedene Themen, Arbeitsgruppen, Sprecher, Abstimmungen… Manchmal sind das fast zu viele Eindrücke für mich und gewisse Entscheidungen, die in „unserem“ Parlament getroffen werden, verstehe ich auch nicht.
- Und wie hält es Julia Freitag so mit der Politik?
Ich bin bisher politisch nicht konkret eingeordnet. Aber ich schau mir das hier in Berlin jetzt alles an und könnte mir gut vorstellen, mich später in einer Partei zu engagieren. Gerade gegen die Gewalt unter Jugendlichen würde ich dann etwas tun wollen. Was da an Schulen und Spielplätzen manchmal los ist – und leider nicht nur Schlägereien…
- Könntest du dir vorstellen, selbst irgendwann mal eine Abgeordnete zu sein?
Ja, denn es wäre eine tolle Herausforderung! So eine Chance müsste man nutzen. Aber dann würde ich mir wünschen, dass alle Kollegen richtig miteinander sprechen und alle einbezogen werden – und nicht nur ‚Mister Wichtig’. Dass es nämlich manchmal nicht so ist, konnte man selbst bei unserem Spiel schon ganz gut beobachten.
… Und wer weiß, vielleicht begegnet dem ein oder anderen ja mal irgendwann die Politikerin Julia Freitag aus Erfurt.
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