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„Es wird groß gefeiert!“

Am 19. Januar wurde im Deutschen Historischen Museum anlässlich des 70. Geburtstags von  Bernd Neumann eine Festschrift vorgestellt.

Vierzig Akteure der deutschen und europäischen Kultur- und Medienlandschaft haben dem Kulturstaatsminister eine Zwischenbilanz ausgestellt.

Hier ist mein Beitrag zu dieser Festschrift:

Erinnerung an den Politiker Neumann und Erfahrungen mit dem BKM

Am Anfang war da Bernd Neumann, der Bremer Politiker.

Nach der Schleyer-Ermordung schrieb Erich Fried ein brutales, blutiges Gedicht, Shakespeare hätte sicher ähnliches verfasst. Der Politiker Bernd Neumann zog militant gegen den Text zu Felde.  Fiel der Satz „Gehört verbrannt!“? Studenten, Schüler, Lehrer Bremens empörten sich, veranstalteten öffentliche Lesungen… Für einen PANORAMA – Bericht  kam ich nach Bremen, Bernd Neumann war da eine Feind-Figur für viele. Tempi passati…

Jahrzehnte später, 2005 im Bundestag, war da ein anderer Politiker Bernd Neumann. BKM jetzt: Beauftragter für Kultur und Medien, Staatsminister – für mich als kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion der zuständige Regierungsvertreter.

In einer meiner ersten Reden sagte ich: „Herr Staatsminister, Sie tun mir ein bisschen leid – ohne eigenes Ministerium, als Ressort-Chef im Kanzleramt, was wollen Sie da bewirken?“

Wir Linken treten nämlich für ein selbständiges Kulturministerium ein – haben dies auch mit einem Votum in der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ dokumentiert. Und 2005 fanden wir dafür zumindest Sympathie bei der oppositionellen FDP. Auch tempi passati.

Bernd Neumann blieb BKM – und machte und macht Erstaunliches mit diesem Amt. In jeder Haushaltsdebatte muss ich ihn loben – ein Beispiel für viele aus dem Jahr 2007: „Herr Staatsminister, ich kann Ihnen ein Lob der sogenannten Linken nicht ersparen, auch wenn das auf mein Redezeitkonto geht. Sie haben einen vergleichsweise guten Haushalt für die Kultur eingebracht und haben die Bedeutung der Kultur, seit Sie Staatsminister sind, tatsächlich ins Zentrum der Bundesrepublik gerückt. Dafür ist Ihnen Achtung zu zollen.“

Allerdings schien mir in der ganzen parlamentarischen Zeit seit 2005, der BKM wäre am liebsten Film-Minister. So habe ich ihn erlebt bei der Vor-Premiere von „Das Leben der Anderen“,  der Aufführung der rekonstruierten Version von „Metropolis“ und als Co-Conférencier von Dieter Kosslick auf den Berlinalen. Da sind dann der „liebe Bernd“ und der „liebe Dieter“ ein ganz besonderes Rampen-Duo. Eines Tages wird der BKM dort einen Preis für sein Lebenswerk einheimsen: Film-Minister!

Kritik ist aber auch zu üben: an der Realisierung der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“; am Schloss-Wiederaufbau und erst recht am Plan für das Einheits- und Freiheitsdenkmal. Geplatzte Wettbewerbe, ernst zu nehmende , aber missachtete Kritik von außen und innen, steigende Kosten… keine glückliche Hand bei diesen Großprojekten.

Und dass er seine Zustimmung einem großen Hilfsplan für die Rettung der kulturellen Infrastruktur des Landes vorenthalten hat, habe ich nicht verstanden – Föderalismus hin und her! Dabei war im Expertengespräch beim Ausschuss für Kultur und Medien im Februar 2010 der entscheidende Hinweis gegeben worden: Wo kein Kläger, da kein Richter. Im Jahre 2010 wäre ein solcher „Nothilfefonds“ im Einvernehmen mit den Ländern möglich gewesen. Er, der sonst im Nutzen von Schlupflöchern so Findige, hat diese Chance nicht genutzt, nicht nutzen wollen. Schade.

Sonst aber: Chapeau zum 70.!